Schnitzerjäger Sobig.F

Nutzen Kriminelle den Sobig-Wurm?

22.08.2003 - “Für mich sieht das nach organisierter Kriminalität aus”, urteilt Mikko Hypponen, Chef der Antivirenforschung bei F-Secure. Die seit 19. August 2003 aktive Variante des Sobig-Wurms, fällt nicht nur durch ihre äußerst rasante Verbreitung im Internet auf, sondern kommt mit einer trickreich gegen Präventivmaßnahmen geschützten Schadfunktion, so der Antivirenexperte. Der Wurm versuchte von infizierten Rechnern am 22.08.2003 um 19 Uhr UTC (21 Uhr mitteleuropäischer Zeit) ein Programm aus dem Internet zu laden und zu starten. Die Web-Adresse, von der er die Software bezieht, war zuvor noch unbekannt.

Sobig.F im Outlook-
Postfach. Die Sicher- heitsein-
stellungen verhindern den Zugriff auf den Wurm im Anhang

In einer Art Schnitzeljagd sollte der Wurm sich die Web-Adresse von einem von zwanzig Rechnern besorgen, die nach Angaben von F-Secure in den USA, Kanada und Süd-Korea über DSL-Verbindungen permanent mit dem Internet verbunden waren. Die von diesen Rechnern vorab zurückgegebene Adresse führte allerdings ins Web-Nirwana. Anscheinend - so die Spekulationen - wird die korrekte Adresse mit einem möglicherweise gefährlichen Schadprogramm erst kurz vor dem im Wurm fest verdrahteten Startzeitpunkt für die Attacke auf diesen Rechnern hinterlegt. Um den Angriff zu unterbinden, wurden in einer koordinierten internationalen Aktion, an der außer F-Secure auch CERT-Teams, Internet Service Provider, das FBI und Microsoft teilnahmen,  die meisten der zwanzig Rechner vom Internet genommen - die restlichen PCs waren vom gleichzeitigen Zugriff zehntausender verseuchter Rechner anscheinend so überlastet, dass sie nicht mehr in der Lage waren, die Download-Adresse anzugeben.

Wie seine Vorgänger (beispielsweise Sobig.B alias Palyh) kommt Sobig.F mit unterschiedlichen Namen für den Dateianhang, jedoch immer mit der Endung PIF oder SCR. Dahinter verbirgt sich in Wirklichkeit ein Windows-Programm. Die scheinbare Absender-Adresse hat er (außer wenn sie auf admin@internet.com lautet) auf dem infizierten Rechner gefunden - der angebliche Absender hat mit der Mail nichts zu tun und sein Rechner muss nicht infiziert sein. Auch die neuen Infektionsopfer wählt der Wurm aus Mail-Adressen, die er auf dem infizierten Rechner findet. Zur Infektion nutzt Sobig.F keine Sicherheitslücken, sondern verlässt sich darauf, dass der Empfänger den Anhang öffnet und damit den Wurm startet.

Zu seiner Verbreitung per Mail bringt Sobig ein eigenes SMTP-Programm mit, über das er die infizierten Mails verschickt. Sobig.F wird ab 10. September nicht mehr funktionieren und dann beim Aufruf sofort die Ausführung abbrechen.

Weitere Informationen: F-Secure Computer Virus Information Pages: Sobig.F

Dr. Karlhorst Klotz - Buchautor - Fachjournalist - Redaktionsbüro - Kontakt